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Das Wichtigste aus den Experten-Interviews

Im Rahmen der Kulturentwicklungsplanung (KEP) für die Landeshauptstadt Wiesbaden wurden von Ende Juni bis Mitte September 2019 Interviews mit lokalen Expert/innen im Kulturbereich durchgeführt. Die Mehrzahl von ihnen ist nicht selbst in städtischen Kulturfördersystemen tätig. Ziel dieser Interviews war es Wahrnehmungen, Meinungen und Stellungnahmen zum Wiesbadener Kulturleben von jenen zu erfassen, die über eine ausgewiesene Kenntnis der Wiesbadener Kultur verfügen und eine gewisse Multiplikatorenrolle für die kulturelle Öffentlichkeit haben. Themenfelder der Interviews waren:

  • Aktuelle Einschätzung des Kulturlebens
  • Stärken, Schwächen, Potenziale
  • Bedeutung einzelner kultureller Cluster (orientiert an der Expertise der Befragten)
  • Handlungsfelder
  • Überregionale Bedeutung und Sichtbarkeit
  • Kulturentwicklung

Aktuelle Einschätzung des Kulturlebens

Als besonders prägend für Wiesbaden werden das von der öffentlichen Hand getragene Staatstheater und das Landesmuseum angesehen. Die zivilgesellschaftlich getragene Kultureinrichtung des Schlachthofs ist nach dieser Befragung die zweitwichtigste Einrichtung mit Alleinstellungsmerkmal der Landeshauptstadt. Darüber hinaus werden die Vielfalt und Breite der Kulturlandschaft der Landeshauptstadt betont.

Stärken, Schwächen und Potenziale

Bei den Stärken werden eine Reihe von Aspekten genannt: etwa das ehrenamtliche Engagement in der Stadt, die vorhandene Baukultur, der AK Stadtkultur und der Kulturbeirat, das breite Angebot, die lokale Zusammenarbeit im Kulturbereich, ein kulturinteressiertes Publikum oder auch die geografische Lage im Rhein-Main-Gebiet. Hinsichtlich der Schwächen werden diverse Aspekte aufgeführt, wobei zu wenige Angebote für Jugendliche, zu geringe Vernetzung und Kooperation sowie zu wenig Geld für den Kulturbereich etwas herausragen. Bei der Frage nach fehlenden kulturellen Angeboten in Wiesbaden werden von den Interviewpartner/innen signifikant zeitgenössische Angebote für jüngere Bevölkerungsgruppen genannt, einschließlich attraktiver Ausgehmöglichkeiten. Zudem wird häufiger auf die Integration von migrantischer Kultur und auf unzureichende Atelierräume, Werkstätten etc. hingewiesen.

Bedeutung einzelner kultureller Cluster

Ein Wiesbadener Charakteristikum ist - so das Ergebnis einer Zusammenfassung der Bewertungen - ein Angebotsmix aus größeren Kultureinrichtungen und kleineren Anbietern, Veranstaltungen und Angebotsformaten. Zentrale Gemeinsamkeiten sehen die Gesprächspartner/innen in der zunehmenden Überschreitung von Spartengrenzen bzw. zwischen Angeboten traditioneller „Hochkultureinrichtungen“ und der Soziokultur. Auch in der wachsenden Schwierigkeit jüngere Bevölkerungsgruppen zu erreichen sieht man eine gemeinsame Herausforderung - trotz einer gleichzeitigen Zunahme jugendkultureller Angebotsformate. Clusterübergreifend zeichnet sich als Herausforderung insbesondere das breite Feld der Audience Development ab, verbunden mit der Herausforderung neue Formate zu entwickeln. Als weitere Kernherausforderungen werden die Verbesserung der Sichtbarkeit des vorhandenen kulturellen Angebots in Wiesbaden und die lokale Kooperation und Vernetzung der Akteure in den jeweiligen kulturellen Clustern angesehen.

Handlungsfelder und Schwerpunkte

Den Interviewten wurden elf vorgegebene Handlungsfelder genannt, die für das Kulturleben Wiesbadens gewertet werden sollen. Von den Gesprächspartner/innen wird die kulturelle Bildung an erster Stelle genannt. Dann folgen in dichten Abständen die Stadtteilkultur, Interkultur, Gesellschaftliche Teilhabe, Digitalisierung, künstlerische/ kulturelle Eigenständigkeit und der Kulturtourismus. Besondere Handlungsschwerpunkte sollten nach Meinung der Interviewten künstlerische Experimente/Innovationen und die Publikumsentwicklung sein. Es folgen die Handlungsfelder Digitalisierung, Interkultur und Inklusion, Kulturelle Bildung, Einbeziehung/Mitwirkung von Bürger/innen bei der Programmgestaltung und gesellschaftliche Teilhabe.

Überregionale Bedeutung und Sichtbarkeit

Für die kulturelle Außenwirkung werden neben dem Staatstheater, der Schlachthof, die Museen sowie die Maifestspiele, das Rheingau-Musikfestival und das Caligari mit den Filmfestivals von den Interviewpartner/innen als besonders wichtig eingestuft. Das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Kultur werden von den Interviewten zumeist als innovationsbedürftig angesehen. Zur Verbesserung wird eine Reihe an Vorschlägen unterbreitet. Dabei sollte nicht nur auf die kulturellen Leuchttürme der Stadt gesetzt werden - sowohl in den traditionellen Informationsmedien als auch den neuen digitalen Möglichkeiten. Vielmehr seien auch kleinere Kulturangebote einzubinden.

Kulturentwicklung

Nach Einschätzung der Interviewten steht der Kulturbereich in Wiesbaden vor allem vor der Herausforderung adäquate Angebote für jüngere Bevölkerungsgruppen und mehr finanzielle Mittel für den Kulturbereich bereitzustellen. Auch geht es darum, wie das Kulturangebot besser an die Menschen gebracht werden kann, u.a. durch mehr Beteiligung. Darüber hinaus wird eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Herausforderungen aufgelistet, sowohl nach innen (z.B. Stärkung der ehrenamtlichen Tätigkeit, Ausbau der Förderung für kleine Vereine, Schaffung von Atelierhäusern in der Innenstadt/am Innenstadtrand) als auch nach außen (u.a. Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit zum Kulturangebot, auch über Wiesbaden hinaus). Als wichtigste Maßnahmen für die kommenden Jahre nennen die Interviewten vor allem die Bereitstellung von mehr finanziellen Mitteln für den Kulturbereich der Landeshauptstadt (u.a. unter Einbezug von messbaren Kriterien der Förderung) und eine bessere Vernetzung der Kulturakteure. Zudem sollen mehr Räume für Kreative zur Verfügung gestellt werden. Es bedürfe einer stärkeren Berücksichtigung von Experimentellem und es sei eine Erhöhung des Stellenwerts des Kulturbereichs in der Kommunalpolitik anzustreben. Dazu wären die kulturellen Angebote der Landeshauptstadt nach außen attraktiver darzustellen. Gefragt nach den Kulturangeboten, die die Gesprächspartner/innen auswärtigen Besucher/innen in Wiesbaden empfehlen würden, werden am häufigsten das Staatstheater, die Museen der Stadt, das Caligari, das Literaturhaus, der Schlachthof und der Neroberg genannt.

Die komplette Auswertung der Experteninterviews können Sie hier einsehen:

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